21. Dezember


* Wintersonnenwende *


Eine Geschichte vom Licht von Claudia Golomb


Erdlicht Die Zwerge saßen gemütlich in ihrer Erdhöhle, die in einem warmen Orange leuchtete. Wie jeden Herbst hatten sie Bucheckerschälchen und Eichelhülsen in ihren unterirdischen Gängen und Höhlen aufgestellt und die kräftigen Farben der zu Boden gefallenen Herbstblätter aufgefangen. Immer wenn es oben auf der Erde geregnet und gestürmt hatte, floss tiefes Rot, knalliges Orange, sanftes Gelb und schimmerndes Violett in ihre Eimerchen. Dann hatten die Zwerge alle Hände voll zu tun, die Farben in kleinen unterirdischen Seen zu sammeln und sie nicht miteinander zu vermischen. Denn sie bemalten damit nicht nur die Erdwände, sondern in verschiedenen Farben auch die Wurzeln der Pflanzen und Bäume. Die freuten sich jedes Jahr wieder auf das große Malfest in der Erde - als kleine Entschädigung dafür, dass sie über der Erde ihre schönen Kleider und Farben verloren hatten. Außerdem kitzelte das so schön an ihren Wurzeln. Und für die Pflanzen- und Baumgeister war es das allerletzte Zeichen, sich nun wieder aus den Baumkronen und Pflanzenspitzen zurückzuziehen, in denen sie so gerne mit dem Wind gespielt hatten. Nun begann ihre Zeit unter der Erde, in ihren Wurzeln. Naja, nicht wenige kleine Tierchen bekamen dabei auch Farbkleckse ab und die Zwerge selbst sehen deshalb im Herbst so bunt aus wie sonst nie! Zur Winterzeit aber, wenn es auf der Erde immer dunkler und kälter wird und alles nur noch grau aussieht, wird es unter der Erde immer wärmer, farbenprächtiger und gemütlicher. Viele Tiere tun es den Pflanzen gleich und suchen sich warme Höhlen, in denen sie die kalte dunkle Jahreszeiten verschlafen können. Während eines solchen gemütlichen Abends stürmte das Zwergenmädchen Jalla in die Zwergenwohngemeinschaft unter der Buchenwurzel und erzählte ganz außer Atem, dass die Menschenkinder oben auf der Erde ganz blass und traurig aussähen – genauso grau wie das Land, wie die Bäume, wie der kalte Nebel. Jalla tat es leid, dass der Winter so trostlos für die Menschen und Tiere war – während sie es in der Erde so gut hatten! Es ließ ihr keine Ruhe und sie fragte auch die Wurzeln und die Asseln, die Mäuse und die Steine, wie sie es den Wesen draußen, auf der Erde schöner machen könnten. Die meisten wollten nicht in ihrer Winterruhe gestört werden und sagten, dass sei, damit sich die Menschen auch ausruhen in ihren Häusern. „Menschen können aber nicht Tag und Nacht in ihren Häusern bleiben, vor allem keine Menschenkinder!“, stampfte Jalla wütend mit dem Fuß auf. Das hörte der Spitzwegerichgeist namens Weggi, der nicht so richtig schlafen konnte und gesellte sich zu Jalla, um ihr zu helfen. Die Spitzmaus Spitzo, die sich gerade langweilte, kam auch dazu! Nun wälzten sie Ideen wie Steine in ihrer Erdhöhle auf und ab. Eins war klar, die Farben durften sie nicht hergeben, die brauchte die Erde und alle ihre Bewohner zum Ausruhen und um neue Kräfte zu sammeln! Da hörten sie eine Stimme tief aus der Erde, die sang mit einem wunderschönen Klang:

Kristall ist dicht. Wird zu Licht. Mond scheint hell. Kälte wandelt schnell. Wasser zu Eis. Alles Weiß!




Spitzo wühlte sich mit ihrer spitzen Schnauze in der Erde, um herauszufinden, von wem diese wunderbare Stimme und die zauberhaften Worte kamen. Sie wühlte und wühlte, bis sie an etwas Hartes und Kaltes anstieß. „Rumpel die Pumpel, welch grober Kumpel, keine Augen im Kopf, an der Stelle ein Knopf?“, sprach da diese wunderbare warme Stimme. „Entschuldigung“, piepste Spitzo, „aber ich habe dich nicht gesehen und ehrlich gesagt, sehe ich immer noch nichts, es blendet hier so!“. „Ich bin ein Stein so dicht, dass ich leuchte von Licht! Gestatten: Cristel Bergkristall!“, antwortete die Stimme höflich. „Ein Bergkristall, ich krieg ´nen Knall, ein Stein von so edler Manier, in der Nähe von meiner Höhle hier? Der holt aus einer kleinen Maus plötzlich sogar Reime raus, ich halts nichts aus!“, flötete Spitzo inspiriert. Da kamen auch schon unser Zwergenmädchen Jalla durch den Mäusegang gerobbt und Weggi schw