7. Dezember




Giona – Vom Halten und vom Loslassen


Giona. Dieser Name steht für so vieles. Für unendlich viel Liebe. Verzweiflung. Glück. Ohnmacht. Und fürs Loslassen. Für ein kurzes Leben, das am 7. Dezember 2019 nach vielen Stürmen ganz leise zu Ende ging. Und für einen kleinen Jungen, der von Anfang mit einem Bein im Himmel stand und sich trotzdem immer wieder ins Leben zurückkämpfte.


Von Barbara Lauber


Giona. Der Name bedeutet Taube. Seit Gionas Tod findet Milena Stoll überall Taubenfedern, sie liegen klein und hell im Park, am Strassenrand, vor ihrem Haus. «Grüsse von Giona», sagt sie dann zu Gionas Geschwistern, 6- und 7-jährig. Eine kleine Feder hielt Giona auch in den Händen, als sich am 12. Dezember 2019 Familie und Freunde von ihm auf dem Friedhof verabschiedeten. Die Wintersonne schien durch die Bäume, ein Feuer brannte, und eine tiefe Ruhe lag über der Gruppe Menschen. «Es war friedlich und wunderschön», erzählt Milena.



Start ins Leben

Es ist der 18. Oktober 2016, als Milena und Christoph Stoll zum dritten Mal Eltern werden. Giona ist klein, perfekt und wunderschön, ein Wunschkind. Da ist nichts, was hätte befürchten lassen, mit Gionas Körper könnte etwas nicht stimmen. Eine Woche später bangen die Eltern ein erstes Mal um sein Leben: Wegen einer Blutvergiftung muss Giona sofort ins Inselspital Bern. Sein Zustand verschlechtert sich innert kürzester Zeit, er wird intubiert – und überlebt. Das ist Giona: Noch oft wird sein Leben an einem seidenen Faden hangen. Und noch oft wird er sich zurück ins Leben kämpfen.



Das ist Giona: Noch oft wird sein Leben an einem seidenen Faden hangen. Und noch oft wird er sich zurück ins Leben kämpfen.



Nach 12 Tagen dürfen Milena und Giona nach Hause. Ein Rückfluss von der Blase in die Niere hat die Blutvergiftung verursacht. Eine Anomalie, die sich auswachsen kann, sagen die Ärzte. Alle atmen auf, alles kommt gut. Giona erhält Antibiotika und schreit viel. Die Tage und Nächte sind lang, die Erholung kommt stets zu kurz, doch so fühlt sich das Leben mit einem Schreibaby und zwei weiteren Kindern an, streng, aber normal.